Royal Blood leben auf "How Did We Get So Dark?" die Konsequenz ihres Hypes
09.06.2017 | Jakob Uhlig

Denn an der bewährten Erfolgsformel hat sich auch auf „How Did We Get So Dark?“ so gut wie nichts geändert. Immer noch dominieren die fuzzigen Alternative-Basslinien von Mike Kerr und das kräftige Schlagzeugspiel von Ben Thatcher den groovigen Sound der Band. Die knackigen Soundwände klingen oft so gewaltig, dass man kaum vermuten mag, dass hier lediglich ein Duo am Werke ist. Diese Klangkraft und ihr Gefühl für zappeligen Garage-Blues-Rock haben Royal Blood einem Millionenpublikum bekannt gemacht. Und so gibt es gar keinen Grund, auf dem zweiten Werk eine Revolution anzuzetteln. Tracks wie „Where Are You Now?“ oder „Hook, Line & Sinker“ hätten mit ihren treibenden Rhythmen und ihrer instrumentalen Zusammensetzung ohne Probleme auch auf dem Debütalbum stattfinden können. Und man muss zugeben: Diese Mischung macht nach wie vor unglaublich viel Laune.
Ab und an lassen Royal Blood tatsächlich auch neue Elemente aufblitzen. „Hole In Your Heart“ wird von klirrenden 80er-Synthesizern getragen, die erste Vorabsingle „Lights Out“ entfaltet mit stylishen Backgroundchören einen besonderen Groove. Solche Experimente bilden aber stets nur kleine Ausbrüche in einem insgesamt konstanten Konstrukt. Das britische Duo weiß, wo seine Stärken liegen, ruht sich dann aber doch zu sehr auf diesen auf. Die neue Platte wirkt eher wie eine Kopie der ersten, die hier und dort eine leichte Frischzellenkur verpasst bekommen hat.
Trotzdem würde es zu weit gehen, die Band für diese Stagnation vollends zu verurteilen. Royal Bloods Hype kommt schließlich nicht von ungefähr. Und so ist auch „How Did We Get So Dark?“ für sich genommen ein unglaublich fesselndes, spaßiges und eigenständiges Werk geworden. Kerr und Thatcher schaffen hier kein überragendes, aber ein konsequentes zweites Album. Für eine zweite Platte ist das noch akzeptabel und kann nach wie vor begeistern. Für ihren dritten Longplayer wird der Mut zu neuen Innovationen aber zwingend notwendig werden. Denn sonst könnte der Zauber um das Sensations-Duo in Windeseile wieder verfliegen.
Wertung
Royal Bloods fuzziger Alternative-Rock ist nach wie vor unvergleichlich groovig, gewaltig produziert und vergnüglich. Etwas mehr Mut hätte die Platte aber interessanter machen können. Die Band muss aufpassen, sich nicht zu sehr auf ihrem verdienten Erfolg auszuruhen.
Wertung
Schade, ich hatte dann doch mehr erwartet. Royal Blood machen zwar nichts groß falsch, aber hinter dem Ofen holt mich die Platte nicht hervor, denn da liegt noch ihr Debütalbum und unterhält mich ganz gut.

Jakob Uhlig
Jakob kommt aus dem hohen Norden und studiert zur Zeit historische Musikwissenschaft. Bei Album der Woche ist er, neben seiner Tätigkeit als Schreiberling, auch für die Qualitätskontrolle zuständig. Musikalisch liebt er alles von Wiener Klassik bis Deathcore, seine musikalische Heimat wird aber immer die Rockmusik in all ihren Facetten bleiben.